Das Problem
Eine Antwort auf den Artikel „MarianaCSCs: Inkassoverfahren gegen Mitglieder“
Lieber DHV, liebe Community,
wir haben euren Artikel gelesen und möchten die Gelegenheit nutzen, unsere Perspektive darzustellen und Georg Wurth in die Finanzaufsicht einzuladen. Nicht weil wir glauben, dass Kritik an uns unberechtigt ist, sondern weil wir als Community alle im selben Boot sitzen.
Mahnverfahren bei Vereinen – eine Normalität?
Der Artikel stellt unser Vorgehen als aggressiv dar. Schauen wir uns an, wie die Realität in der deutschen Vereinslandschaft aussieht.
Der ADAC, mit über 20 Millionen Mitgliedern Deutschlands größter Verein, beauftragt das Inkassounternehmen EOS mit der Eintreibung säumiger Mitgliedsbeiträge. Es existiert eine ganze Branche spezialisierter Inkassodienstleister für Vereine.
Vereinsrechtlich ist der Vorstand sogar verpflichtet, Beiträge einzutreiben. Tut er das nicht, können die Mitglieder ihn dafür persönlich haftbar machen. Natürlich kann eine Mitgliederversammlung beschließen, auf Forderungen zu verzichten oder besondere Kulanzregeln einzuführen und genau das haben wir unsere Mitglieder gefragt. Das Ergebnis war eindeutig: Die Mitgliederversammlung hat basisdemokratisch ein kulantes Mahnverfahren mit Inkasso als letztes Mittel beschlossen.
Eigentlich hätten wir es dabei belassen können. Aber wir haben den DHV-Artikel und die Rückmeldungen zum Anlass genommen, die Stimmung erneut einzufangen, denn vielleicht wäre ja doch ein Richtungswechsel angebracht? Am Ende machen wir das, was die Mitglieder sich wünschen. Also haben wir das Thema auf unserem offenen Stammtisch erneut diskutiert. Ein offener Stammtisch ist keine verbindliche Abstimmung, aber er gibt ein gutes Stimmungsbild. Und das Ergebnis war eindeutig: Eine klare Mehrheit sprach sich erneut für das Mahn- und Inkassoverfahren aus.
Interessant war dabei der Gastbeitrag von Steffen, Vorstand des CSC High Nord, bei unserem letzten öffentlichen Stammtisch. Dort hat man sich gegen Inkasso entschieden. Die Konsequenz: Zahlende Mitglieder tragen die Kosten der nicht zahlenden, etwa zusätzliche Bankgebühren durch Rückbuchungen von Lastschriften.
Anmerkung: Es handelt sich bei dem CSC High Nord um geringere Summen und um einen einzelnen CSC, der bereits Cannabis ausgibt. Auch dort entscheiden die Mitglieder selbst darüber und eine Kosten-Nutzen-Abwägung ist mit 3 oder 4 Forderungen im Monat negativ.
Unsere Kulanz
Was wir allerdings auch anbieten, und das kam im Artikel zu kurz: Jeder Betroffene kann sich jederzeit an unseren Support wenden, und es kann eine Kulanzregelung getroffen werden. Die Möglichkeit gibt es bereits von Anfang an. Wir finden für jede Person, die sachlich auf uns zukommt, eine Lösung. Bei Personen, die direkt klarstellen, nicht mit uns kommunizieren zu wollen, ist das natürlich schwierig. Nach aktueller Auswertung haben wir bereits auf Mitgliedsbeiträge in der Höhe von mehr als 100.000 € aus Kulanzgründen verzichtet. Dabei handelt es sich um Beiträge, die uns zweifellos auch rechtlich zustünden. Auch auf Mahngebühren wird verzichtet.
Der Anmeldeprozess – war er wirklich so unklar?
Im Artikel wird suggeriert, manche Mitglieder hätten nicht gewusst, worauf sie sich einlassen. Das entspricht nicht der Erfahrung zahlreicher anderer Mitglieder. Wir möchten hier mal ein Mitglied zu Wort kommen lassen:
Andrea Lantermann: “Für mich war das völlig klar, worum es sich handelt. Ich habe mir auch vorher einen Stammtisch angeschaut. Ich kann mich sogar daran erinnern, dass man den Mitgliedsantrag digital unterschreiben musste und eine Bestätigungsmail mit weiteren Erklärungen erhalten hat.”
Der Anmeldeprozess mit der digitalen Unterschrift war bis zum 28.06.2024 implementiert. Ebenfalls haben dort Mitglieder der Satzung und Beitragsordnung zugestimmt und den Anmeldeprozess mit einem Klick auf den Button “Kostenpflichtig abschließen” bestätigt.
Nach der Anmeldung erhielt man eine Bestätigungsmail:
Ab dem 28.06.2024 ging der neue, optimierte Anmeldeprozess live. Unter anderem gab es dort ebenfalls den “Button” mit dem Hinweis “Kostenpflichtige Mitgliedschaft abschließen”, auch konnte direkt im Anmeldeprozess durch ein Drop Down Menü aus allen Vereinen gewählt werden.
Hier auf dem Bild der letzte Schritt des Anmeldeprozesses.
Dazu kommt: Bereits 2024 gingen Zahlungserinnerungen an viele der jetzt betroffenen Mitglieder raus. Alle Mitglieder erhalten regelmäßig Mitgliederbriefe mit Updates zu unseren Aktivitäten. Bis zur Systemumstellung im September 2025 wurden monatlich Rechnungen an alle Mitglieder versendet, seitdem sind Rechnungen jederzeit über das Mitgliederportal einsehbar. Wer sich von der Zahlungsaufforderung überrascht fühlt, hat über einen langen Zeitraum hinweg mehrere Kommunikationsversuche von unserer Seite ignoriert.
Zur angeblich mangelnden Transparenz
Eine Übersicht über die Finanzen wurde bei der Jahreshauptversammlung für Mitglieder vorgestellt. Generell sind wir nur unseren Mitgliedern dazu verpflichtet.
Zusätzlich gibt es eine Finanzaufsicht, gewählt von den Mitgliedern selbst. Die Finanzaufsicht hat jederzeit die Möglichkeit, die Finanzen und Berichte sowie abgeschlossene Verträge einzusehen. Die Mitglieder der Finanzaufsicht können jederzeit von jedem Mitglied kontaktiert werden.
Trotzdem: Wir hören die Kritik und nehmen sie mit. Wir haben es schon auf dem letzten internen Stammtisch besprochen und sind auf die Vorschläge unserer Mitglieder gespannt. Mehr Transparenz und bessere Kommunikation schadet nicht, wenn man nichts zu verbergen hat.
Was bekommt man eigentlich für die Mitgliedschaft?
Der DHV weist zu Recht darauf hin, dass Mitglieder, die ihre Beiträge nicht zahlen möchten, kündigen sollten, damit sich keine weiteren Beitragspflichten ansammeln. Die Einschätzung teilen wir und das ist auch mit einer der Gründe für die aktuelle Aufräumaktion. Zudem haben wir auch unseren Anmeldeprozess und Registrierungsprozess schon seit Ende August deaktiviert. Zukünftig wird es nur noch möglich sein, Mitglied zu werden, wenn die erste Zahlung ausgeführt wurde.
Natürlich existieren unterschiedliche Modelle, wie CSCs aufgebaut werden können. In einem Modell finanzieren Mitglieder den Aufbau gemeinsam und behalten Mitspracherechte und demokratische Kontrolle. In einem anderen Modell strecken Gründer hohe Summen vor und errichten die Strukturen weitgehend ohne Vorleistung der Mitglieder. Das führt aber zwangsläufig zu anderen Abhängigkeiten, Rückzahlungsinteressen oder Renditeerwartungen und meist zu weniger Einfluss für die Mitglieder.
Wir haben uns bewusst für das gemeinschaftliche Modell entschieden und setzen auf strategische langfristige Partnerschaften, wie zum Beispiel mit Lumatek.
Deutschland ist eines der bürokratischsten Länder der Welt und der DHV hat Recht, wenn er auf die teils langen und ungewissen Genehmigungsprozesse hinweist. Die Situation betrifft jedoch nahezu alle Cannabis Social Clubs. Nach öffentlich zugänglichen Behördenangaben und einer dpa-Recherche (Stand 2025) sind bundesweit derzeit nur rund 300 Clubs genehmigt, die zusammen deutlich unter 0,1 % des tatsächlichen Versorgungsbedarfs abdecken.
Mariana hat bislang 31 Anbaulizenzen beantragt, sechs davon bereits erhalten. Es wurden 182 Vereine aufgebaut, rund 70 davon sind eingetragen. Das ist mehr, als in manchen Bundesländern insgesamt genehmigt wurde.
Was Mitglieder dafür konkret erhalten, ist kein Zukunftsversprechen, sondern gilt ab dem Beitritt: Zugang zur Community, die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung am Vereinsaufbau, Teilnahme an Schulungen, Workshops und internen Weiterbildungsangeboten sowie Mitwirkung an Präventions-, Aufklärungs- und Veranstaltungsarbeit. Engagierten Mitgliedern eröffnen sich darüber hinaus direkte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb unserer Strukturen.
Wer Mitglied bleibt, entscheidet sich bewusst dafür, Teil des Aufbaus zu sein. Wer möchte, dass Cannabis Social Clubs in Deutschland eine Zukunft haben, kann die Zukunft nicht abwarten, sondern nur gemeinsam mit uns aufbauen.
Zu den Firmenstrukturen, die im Artikel kritisiert werden:
Ja, es gibt Firmenstrukturen. Wer auf Discord unterwegs ist oder unsere Veranstaltungen besucht, kennt die Diskussionen dazu. Um 182 Vereine zu koordinieren, Lizenzen zu beantragen und Anbauanlagen aufzubauen, braucht man nun mal mehr als einen sonntäglichen Stammtisch.
Wem gehört das am Ende? Darauf haben wir noch keine finale Antwort, aber eine klare Richtung. Es gibt Arbeitsgruppen, in denen genau diese Fragen diskutiert werden, wie gehen wir mit den Strukturen um, wie stellen wir sicher, dass die Community langfristig profitiert und nicht einzelne Personen. Nicht ohne Grund heißt unsere Beteiligungsgesellschaft „Mariana Beteiligungsgesellschaft“.
Ob das am Ende eine Stiftung wird, eine Genossenschaft oder ein anderes Konstrukt, wird gemeinsam erarbeitet.
Zu den juristischen Tipps im Artikel
Der Artikel enthält eine Checkliste mit juristischen Tipps. Natürlich steht jedem eine rechtliche Beratung zu, allerdings möchten wir anmerken: Eine freundliche Kulanzanfrage kann schon vieles lösen.
Berechtigte Forderungen werden allerdings auch bei Schreiben von Anwälten weiter verfolgt. Das ist keine Drohung, sondern Realität: Wer Verbindlichkeiten eingeht und nicht zahlt, muss damit rechnen, dass diese eingefordert werden. Das gilt für uns genauso wie für jeden anderen Gläubiger auch.
Was wir noch sagen möchten
Unser Konstrukt ist komplexer als ein einzelner lokaler Verein. Es lässt sich häufig nicht in wenigen Minuten vollständig erfassen, und einfache Antworten greifen hier oft zu kurz.
Kritik und Diskussion gehören zu einer lebendigen Community, gerade auch interne. Gleichzeitig sollten wir uns bewusst machen, dass öffentliche Debatten über CSCs nicht im luftleeren Raum stattfinden. Einseitige Zuspitzungen wirken nach außen und betreffen letztlich uns alle.
Der DHV hat über viele Jahre hinweg entscheidend für die Legalisierung gekämpft, und wir erkennen diesen Einsatz ausdrücklich an. Umso wichtiger ist aus unserer Sicht ein differenzierter Blick auf die aktuelle Situation der CSCs.
Wir nehmen wahr, dass in der öffentlichen Debatte vor allem kritische Stimmen sichtbar sind. Das ist nicht ungewöhnlich, die Lautesten sind selten die Mehrheit. Dennoch prägen sie das Bild. Uns ist wichtig zu betonen: Es gibt unterschiedliche Perspektiven innerhalb der CSC-Landschaft, und keine davon lässt sich auf ein einfaches „richtig“ oder „falsch“ reduzieren.
Wir sollten uns daran erinnern, dass wir letztlich dasselbe Ziel verfolgen. Statt uns gegenseitig zu polarisieren, wäre es aus unserer Sicht sinnvoller, den Fokus stärker auf die tatsächlichen strukturellen Probleme zu richten: auf Behörden, die Anträge monatelang liegen lassen, auf Bundesländer, die CSCs aktiv blockieren, und auf eine Regulierung, die in ihrer aktuellen Form vielerorts kaum praktikabel ist.
Unser Wunsch an den DHV
Wir wünschen uns eine weniger einseitige Perspektive in der Berichterstattung. Stimmen von engagierten Vorständen und aktiven Mitgliedern gehören genauso dazu wie die Stimmen der enttäuschten Mitglieder. Die Cannabis-Community ist groß genug für verschiedene Ansätze und wir alle arbeiten letztlich am gleichen Ziel.
Wir machen ein konkretes Angebot: Georg Wurth ist eingeladen, Teil unserer Finanzaufsicht zu werden. Vollständiger Einblick in alle Verträge, Strukturen und Zahlen. Wir haben nichts zu verbergen, im Gegenteil, wir würden uns freuen, unsere Arbeit und unsere Erfolge zu zeigen. Ebenfalls laden wir dich, Georg Wurth, zu unserer Jahreshauptversammlung am 03.10.2026 ein.
Fazit
Ja, wir mahnen Mitglieder, die ihre Beiträge nicht zahlen. Ja, wir leiten Inkassoverfahren ein, wenn Mahnungen ignoriert werden. Das macht uns zu einem Verein, der seine Verbindlichkeiten ernst nimmt und erwartet, dass Mitglieder das auch tun.
Gleichzeitig gilt: Wer sachlich auf uns zukommt, findet bei uns ein offenes Ohr. Wir sind keine gesichtslosen Inkasso-Roboter, sondern Menschen, die an eine Sache glauben und hart dafür arbeiten.
Verfasser und Erstunterzeichner:
Andre Reiche, Marburg (Zweigvereinsmanager)
Andrea Lantermann, Troisdorf (Vorstand)
Andreas Peifer, Göttingen (Ansprechperson)
Angela Siemens, Erfurt (Vorstand)
Angelika Heimeier, Erlangen (stellvertretender Vorstand)
Angelo Amadeus Walpuski, Münster (Vorstand)
Boris Brammerloh, Braunschweig (Vorstand)
Christopher Engelhardt, Brandenburg/Havel (Vorstand)
Christopher Schubach, Koblenz (Vorstand)
Christoph Hahn, Mülheim an der Ruhr (Vorstand)
Claudia Wimmers, Neuss (Vorstand)
Dietmar Baumgarte, Nürnberg (Vorstand)
Dimitri Mehrwald, Gießen (stellvertretender Vorstand)
Dominick Gruna, Grevenbroich (Vorstand)
Dronie, Frankfurt am Main (Mitglied)
Fabian, Aalen (AP)
Farid Quled Aissa, Bonn (Vorstand)
Florian Wenzel, Worms (Vorstand)
Florian Kasuch, Nordhausen (Vorstand)
Frank Kohlert, Augsburg (Vorstand)
Heike Deisenroth-Zöller, Bergisch Gladbach (Vorstand)
Holger, Mönchengladbach (Präventionsbeauftragte)
Jennifer Schönherr, Gießen (Vorstand)
Jessica, Ludwigsburg (Präventionsbeauftragte)
Julia, Braunschweig (Mitglied)
Kai Ding, Frankfurt am Main (Präventionsbeauftragter)
Kai Herbold, Berlin (Vorstand)
Keno Mennenga, Stuttgart (Vorstand, Pressesprecher)
Klaus Albrecht, Neuss (Vorstand)
Manuel, Münster (Mitglied)
Marcel, Witten (Präventionsbeauftragter)
Maximilian Kreutzer, Stuttgart (stellv. Vorstand)
Michael Keller, Osnabrück (Vorstand)
Naemi, Marburg (Präventionsbeauftragte)
Nico Sommer, Göttingen (Vorstand)
Nikola Heinrich, Marburg (Vorstand)
Nils Harbers, Göttingen (Vorstand Gesamtverein)
Patrick Beeling, Frankfurt a. M. (Vorstand)
Rabiye Elemenler, Süddeutschland (Bereichsleitung)
Raymon Köster, Nürnberg (2. Vorstand)
Roy Zylla, Witten (Vorstand)
Sascha Hilgendorf, Saarbrücken (Vorstand)
Sascha, Mönchengladbach (Mitglied)
Sebastian Schüler, St. Augustin (Vorstand)
Sebastian Mörschner, Plauen (Vorstand)
Susanne Petterson, Wesel (Vorstand)
Thomas Herz, Trier (Vorstand)
Thomas Müller, Bremen (Vorstand)
Tino Franken, Mönchengladbach (Vorstand)
Tobias, Saarbrücken (Präventionsbeauftragter)
Ulrich Märker, Aurich (Vorstand)
Wolfgang Braun, Potsdam (Vorstand)
Wolfgang Allwardt, Stralsund (Vorstand)



Nils, 28 Jahre alt, ist gelernter Koch und hat Forstwirtschaft studiert. Er ist ein leidenschaftlicher Botaniker, der Herausforderungen liebt und gerne groß denkt. Immer offen für neue und kreative Wege, ist er der treibende Kopf und Hauptinitiator des Mariana Cannabis Projekts.

