18/06/2024

Cannabis am Steuer

Cannabis und Autofahren: Regeln und Vorschriften

Seit der Legalisierung von Cannabis in Deutschland stellen sich viele die Frage: Wie wirkt sich das auf meinen Führerschein aus und welche Regeln gelten beim Autofahren? Wir erklären dir, welche Vorschriften du beachten musst und geben dir praktische Tipps für ein unbeschwertes und sicheres Fahren.

Sobald neue Regeln und Entwicklungen vorliegen, aktualisieren wir den Inhalt. 

Stand: 6. Juli 2024

Table of Contents

THC-Grenzwert in Deutschland 

In Deutschland liegt der allgemeine THC-Grenzwert derzeit noch bei 1,0 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum (ng/ml), sehr bald jedoch bei 3,5. Das bedeutet, dass Autofahren bei einer höheren THC-Konzentration als 1,0 ng/ml (oder bald: 3,5) als Fahruntüchtigkeit gilt und rechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Am 5. Juli billigte der Bundesrat die Änderung des THC-Grenzwerts auf 3,5 ng/ml. Die neue Verordnung muss nun nur noch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden, bevor sie in Kraft tritt.

Es gilt trotzdem: Cannabiskonsum und Autofahren sind ein No-Go.

Die gängigsten Methoden zur Bestimmung der THC-Konzentration sind Bluttests und Urintests.

Der THC-Grenzwert wurde nie formal vom Gesetzgeber festgelegt, sondern hat sich in der Rechtsprechung allgemein hin durchgesetzt. Dies wurde nun geändert und ein verbindlicher THC-Grenzwert im Gesetz verankert.

Übrigens ist es auch nicht erlaubt, unter dem Einfluss von synthetischen und synthetisch hergestellten Cannabinoiden Auto zu fahren, vor allem seit dem jüngsten Verkaufsverbot von HHC, THCP und Co. HHC ist mittels eines Urintests nachweisbar, wie THC auch.

 

Cannabis am Steuer – Strafen

Wirst du mit derzeit mehr als 1,0 Nanogramm THC (oder bald: 3,5 ng/ml) im Blut erwischt, drohen dir ein Bußgeld von 500 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Auch eine MPU kann angeordnet werden. Beim zweiten Vergehen erhöht sich das Bußgeld auf 1000 Euro und drei Monate Fahrverbot.

Die geplante Gesetzesänderung beinhaltet ein Bußgeld von bis zu 3000 Euro für das Überschreiten des THC-Grenzwerts.

 

Cannabis und Autofahren – Änderung des THC-Grenzwertes

Der Bundestag hat am 6. Juni 2024 neue Regelungen zum Thema Cannabis und Autofahren auf den Weg gebracht („Sechstes Gesetz zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und weiterer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften„). Der Bundesrat stimmte der neuen Verordnung am 5.07.2024 zu.

Zukünftig soll ein THC-Grenzwert von 3,5 statt wie bisher 1,0 gelten. Dies soll einem Promillewert von 0,2 Prozent entsprechen. Bei Missachtung des THC-Grenzwerts kann ein Bußgeld bis zu 3000 Euro fällig werden.

Es soll außerdem ein Verbot von Mischkonsum geben. Wer mit THC und Alkohol gleichzeitig erwischt wird, muss bis zu 1.000 Euro zahlen, selbst wenn die einzelnen Grenzwerte nicht überschritten werden. Wird der THC-Grenzwert überschritten und besteht zudem ein Mischkonsum, kann das Bußgeld auch über 3000 Euro betragen.

Für Fahranfänger in der Probezeit und unter 21-Jährige soll ein generelles Cannabisverbot am Steuer greifen, wie beim Alkohol auch.

Die neuen Regelungen sind noch nicht rechtsgültig. Deshalb gilt bislang noch der THC-Grenzwert von 1,0. Die neue Verordnung tritt voraussichtlich irgendwann im Juli 2024 in Kraft, sobald sie im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde.

 

Zeitlicher Abstand zwischen Konsum und Fahren

Nach dem Konsum von Cannabis solltest du mehrere Tage warten, bevor du wieder Auto fährst. Studien zeigen, dass die Wirkung je nach Menge und Häufigkeit des Konsums mehrere Stunden bis Tage anhalten kann, je nachdem, wie viel und wie oft du konsumierst. Vor allem bei regelmäßigem Konsum kann es Wochen dauern, bis das THC vollständig aus dem Körper abgebaut ist. Die Einhaltung des THC-Grenzwerts wird somit zur Gradwanderung.

 

Auswirkungen auf den Führerschein bei Freizeitkonsum von Cannabis

Vor der Legalisierung konnte regelmäßiger Cannabiskonsum schnell zu Problemen mit der Fahrerlaubnis führen. Selbst wenn man nie unter Einfluss von Cannabis gefahren ist, konnte einem der Führerschein entzogen werden, wenn man als Konsument auffiel, zum Beispiel durch eine Kontrolle im Stadtpark. Das neue Cannabisgesetz hat hier einige Änderungen gebracht. Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, muss nun nicht mehr automatisch mit dem Verlust des Führerscheins rechnen.

 

Medizinisches Cannabis und Autofahren

Wenn du medizinisches Cannabis verschrieben bekommen hast, stellt sich die Frage: Darfst du damit noch Auto fahren? Keine Sorge, wir klären das für dich.

 

Aktuelle Rechtslage für Cannabis-Patienten

Medizinisches Cannabis ist seit 2017 in Deutschland legal und wird bei verschiedenen Erkrankungen wie chronischen Schmerzen oder Multiple Sklerose verschrieben. Aber wie sieht es mit dem Autofahren aus?

Das Gesetz erlaubt es Patienten, die von einem Arzt verordnetes, medizinisches Cannabis nach ärztlicher Verordnung einzunehmen und, am Straßenverkehr teilzunehmen, vorausgesetzt, sie sind in der Lage, das Fahrzeug sicher zu führen. Diese Fahrtüchtigkeit muss durch einen medizinisch-psychologischen Test (MPU) belegt sein.

Treten jedoch Ausfallerscheinungen beim Führen eines Fahrzeugs auf, die auf die Einnahme von medizinischem Cannabis zurückzuführen sind, machen sich die Patienten strafbar und müssen mit Sanktionen wie einer empfindlichen Geldstrafe und dem Entzug der Fahrerlaubnis rechnen.

 

Verkehrskontrolle

Wenn du bekifft Auto fährst, ist das keine gute Idee – weder für dich noch für andere Verkehrsteilnehmer. Kommt es dann zur Verkehrskontrolle, kann es richtig unangenehm werden.

 

Wie läuft eine Verkehrskontrolle in Deutschland ab?

Du fährst gemütlich die Straße entlang, plötzlich siehst du die Kelle der Polizei – Verkehrskontrolle! Keine Panik, wir erklären dir, was jetzt passiert und welche Rechte du hast.

Anhalten und ausweisen: Die Polizei fordert dich auf, anzuhalten. Folge den Anweisungen und schalte den Motor aus. Du musst deinen Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzeigen, sowie Verbandskasten und Warndreieck, falls die Beamten danach fragen.

Small Talk und erste Verdachtsmomente: Nachdem du angehalten hast, folgt oft der klassische Small Talk. Die Beamten wollen nicht nur wissen, wohin du unterwegs bist, sondern auch deine Reaktionen und dein Verhalten beobachten. Bleib ruhig und freundlich. Teile nur so viele Details, wie du auch wirklich möchtest. Spätestens wenn du merkst, dass die Beamten gezielt nach deinem Konsumverhalten fragen, ist es besser, wenn du dich auf dein Aussageverweigerungsrecht beruft.

Rote Augen und Geruch: Typische Anzeichen wie rote Augen oder Cannabisgeruch führen oft zu weitergehenden Maßnahmen.

Unruhiges Verhalten: Übermäßige Nervosität kann Verdacht erregen, also tief durchatmen und entspannt bleiben.

 

Verkehrskontrolle – Kenn Deine Rechte

  • Aussage verweigern: Du hast jederzeit das Recht, die Aussage zu verweigern. „Ich mache keine Aussage.“, reicht völlig aus. Bleibe höflich, aber bestimmt.
  • PIN verweigern: Auch bei einer richterlich angeordneten Durchsuchung deines Smartphones darfst du nicht gezwungen werden, deine PIN herauszugeben. Du bist nicht dazu verpflichtet, an deiner eigenen Überführung mitzuwirken.
  • Tests ablehnen: Ein Urintest und andere Schnelltests auf der Straße sind freiwillig. Lehnst du ab, kann die Polizei jedoch (bei ausreichendem Verdacht) eine Blutprobe anordnen, die von einem Arzt entnommen wird. Für die Blutentnahme bedarf es seit geraumer Zeit übrigens keine richterliche Anordnung mehr.

 

H4: Aussage verweigern – Pro und Contra

Pro

  • Selbstschutz: Vermeide unüberlegte Aussagen, die dir schaden könnten. Ohne belastende Aussagen ist es schwieriger, dir etwas nachzuweisen.
  • Rechtliche Vorteile: Mit nur wenigen Indizien entscheidet der Polizist vielleicht, auf eine Blutentnahme zu verzichten, da sie aufwändig ist und der “Erfolg” nicht garantiert ist.
  • Professionalität: Der Polizist nimmt dich vielleicht ernster, wenn du deine Rechte kennst und professionell auftrittst.
  • Ruhe: Ruhe kann helfen, in Stresssituationen klar zu denken.

Contra

  • Misstrauen: Die Polizei könnte dein Schweigen als Verdacht werten. Aus einer harmlosen Kontrolle wird eine gründlichere.
  • Verlängerung der Kontrolle: Möglicherweise dauert die Kontrolle länger, wenn die Beamten misstrauisch werden.
  • Bluttest: Wenn du dich weigerst, einen Urintest zu machen, wird in der Regel ein Bluttest angeordnet, der sowohl für dich als auch für die Beamten aufwändiger ist.

Entscheide je nach Situation, ob du schweigst oder redest und kenne deine Rechte.

 

Verkehrskontrolle – Deine Pflichten

  • Dokumente: Du musst Führerschein und alle nötigen Fahrzeugpapiere parat haben und vorzeigen
  • Kooperation: Den Anweisungen der Polizei folgen (zum Beispiel das Fahrzeug verlassen). Kooperation heißt übrigens nicht, dass du aussagen musst. Du kannst mit der Polizei kooperieren und trotzdem die Aussage verweigern.
  • Warndreieck und Verbandskasten auf Nachfrage vorzeigen können

 

Fahrzeugdurchsuchung

„Dürfen wir in Ihr Auto schauen?“

“Machen Sie mal den Kofferraum auf.”

Zustimmung: Ohne deine Zustimmung darf die Polizei dein Auto nicht einfach so durchsuchen. Ein klares „Nein“ ist völlig legitim.

Verdacht: Bei konkretem Verdacht (z.B. Drogen, Waffen) darf die Polizei dein Auto auch ohne deine Zustimmung durchsuchen.

Gefahr im Verzug: Liegt eine akute Gefahr vor, dürfen die Beamten ebenfalls ohne deine Zustimmung handeln.

Der Trick mit dem Warndreieck: Viele Autofahrer bewahren ihr Warndreieck im Kofferraum auf. Fragt die Polizei danach, muss man seinen Kofferraum öffnen, um das Warndreieck zu holen. Diesen “Trick” können sich die Polizisten zunutze machen, wenn sie von dir keine Erlaubnis zur Fahrzeugdurchsuchung bekommen, aber unbedingt gerne einen Blick in deinen Kofferraum werfen möchten.

 

Kann Cannabisgeruch zu einer Fahrzeugdurchsuchung führen?

Früher reichte der bloße Geruch von Cannabis aus, um eine Fahrzeugdurchsuchung zu rechtfertigen. Doch mit der Cannabis-Legalisierung hat sich die rechtliche Lage geändert.

Es stellt sich die Frage: Reicht der bloße Geruch von Cannabis als Verdachtsmoment für eine Fahrzeugkontrolle aus, um beispielsweise die Einhaltung der Grenzmenge (25 Gramm) zu überprüfen?

Es wird wohl – und das ist reine Spekulation von uns – sehr auf die Art und Stärke des Geruchs ankommen. Schließlich besteht ein Unterschied zwischen dem leichten Geruch von ein paar getrockneten Cannabisblüten (legal) und dem starken Geruch von frisch verbranntem Gras (illegal). Irgendwann wird es wahrscheinlich die ersten Gerichtsurteile zu diesem Thema geben.

Denke daran, dass Polizisten immer einen Ermessensspielraum haben. Einige könnten den Geruch als Vorwand benutzen, um eine gründlichere Untersuchung zu rechtfertigen. Deshalb ist es wichtig, dass du deine Rechte und Pflichten genau kennst und weißt, wann du deinen Standpunkt höflich, aber bestimmt vertreten kannst.

 

Tipps für die Verkehrskontrolle

  • Freundlich und ruhig bleiben: Aufgeregtes Verhalten kann verdächtig wirken. Bleib ruhig und höflich.
  • Dokumentation: Es kann hilfreich sein, die Verkehrskontrolle zu dokumentieren. Ein Zeuge oder eine Aufnahme kann später nützlich sein. Wenn du ein Video machen willst, achte darauf, dass du die Arbeit der Polizei nicht behinderst.
  • Nicht zu viel reden: Unüberlegte Aussagen können dir zum Verhängnis werden. Beschränke dich auf das Nötigste und verweigere im Zweifelsfall höflich die Aussage.
  • Grenzwerte beachten: Kenne deine Rechte, aber auch deine Pflichten – und die THC-Grenzwerte.

Safety first!

Im Zweifelsfall gilt immer: Safety first! Lieber einmal zu viel den Bus nehmen, als riskieren, dass dein Führerschein in Gefahr gerät.

 

Transport von Cannabis im Auto

Du darfst Cannabis legal im Auto transportieren, solange du die erlaubte Menge von 25 Gramm pro Person nicht überschreitest und das Cannabis sicher verstaut ist. Dies gilt insbesondere, wenn Minderjährige mitfahren. Achte auf jeden Fall darauf, dass es nicht griffbereit ist, um Missverständnisse bei einer Kontrolle zu vermeiden. Bewahre möglichst auch Grinder, Papers und sonstiges Rauch-Zubehör außer Sichtweite auf.

 

Cannabis-Konsum im geparkten Auto

Das Rauchen von Cannabis im geparkten Auto ist an sich nicht verboten, solange das Fahrzeug nicht bewegt wird. Bedenke jedoch, dass es Zeit braucht, um den Geruch aus dem Auto zu bekommen. Sonst kann es bei einer Verkehrskontrolle Probleme geben. Und das muss nicht sein.

Vom Konsum als Beifahrer raten wir dir wegen der Gefahr des Passivkonsums für den Fahrer dringend ab. Du machst dich dann theoretisch nicht strafbar – der Fahrer allerdings schon.

 

Gras und Gas – das macht kein Spaß

Cannabis und Autofahren – ein komplexes Thema, das Aufmerksamkeit und Verantwortungsbewusstsein erfordert. Bleib informiert, halte dich an die Vorschriften und nutze alternative Verkehrsmittel, wenn du unter dem Einfluss von Cannabis stehst.

So bist du sicher und legal unterwegs und schützt dich und andere. Keep it safe und gute Fahrt!

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