Vorab das Wichtigste
- Der EC Wert bei Cannabispflanzen zeigt, wie viele gelöste Nährstoffe in der Nährlösung enthalten sind. Zu hohe oder zu niedrige Werte führen schnell zu Mängeln oder Überdüngung.
- Beim Anbau in Erde liegt der optimale EC-Wert je nach Phase meist zwischen 0,8 und 1,8.
- Beim Anbau mit Coco oder Hydro gelten andere Werte, weil Nährstoffe direkter an die Wurzeln gelangen, als beim Anbau mit dem Medium Erde.
- Damit die Nährstoffe aufgenommen werden können, müssen pH und EC zusammenpassen. Ein korrekter EC reicht nicht aus, wenn der pH-Wert nicht passt.
- Eine EC-Wert-Tabelle bietet Orientierung für alle Wachstumsphasen und hilft, die Versorgung der Pflanzen stabil zu halten.

Es ist wichtig, den richtigen EC-Wert beim Cannabisanbau zu kennen
Wer Cannabis anbaut, wird über kurz oder lang merken, wie entscheidend die richtige Nährstoffversorgung ist. Ein stabiler EC-Wert ist dabei einer der wichtigsten Faktoren. Er zeigt, wie viele Mineralsalze in der Nährlösung enthalten sind und damit, wie „stark“ und funktional die vorgenommene Düngung ist. Die meisten Grower und Growerinnen, die bereits erste Erfahrungen gesammelt haben und tiefer in die Materie einsteigen, wollen verstehen, welche EC-Bereiche in den unterschiedlichen Wachstumsphasen sinnvoll sind und wie man den EC-Wert kontrolliert, misst und korrigiert.
In diesem Artikel erfährst du nicht nur, welche Werte optimal sind, sondern auch, wie der EC-Wert mit dem pH-Wert zusammenhängt, welche Fehler häufig auftreten und wie die Messung Schritt für Schritt durchgeführt wird. So bekommst du ein komplettes Verständnis dafür, wie du deine Pflanzen effizient versorgst und typische Probleme vermeidest.
Was bedeutet der EC-Wert eigentlich?
Der EC-Wert (Electrical Conductivity) misst die elektrische Leitfähigkeit des Wassers. Je mehr Salze und Mineralien im Wasser gelöst sind, desto höher ist der EC-Wert. Für Cannabispflanzen ist das entscheidend, denn der EC gibt an, wie konzentriert eine Nährlösung ist. Eine Pflanze nimmt Wasser und Nährstoffe über osmotische Prozesse auf. Bei einem passenden EC kann sie gut trinken und gleichzeitig ausreichend Nährstoffe verwerten.
Ist der EC zu niedrig, enthält die Nährlösung zu wenig Mineralien. Die Pflanze zeigt dann häufig Mangelerscheinungen, wächst langsamer und bildet weniger Blattmasse. Ist der EC zu hoch, steigt die Salzkonzentration im Substrat. Das erschwert die Aufnahme von Wasser und führt zu klassischen Symptomen wie verbrannten Spitzen oder dunklem, verhärtetem Laub.
Das Ziel ist immer ein EC-Bereich, der zur Phase, zur Genetik und zum Substrat passt.
Wie wird der EC-Wert gemessen?
Der EC-Wert beim Anbau in Erde wird gemessen, indem die Pflanze normal gegossen und das ablaufende Drainwasser anschließend mit einem EC-Messgerät gemessen wird. Gemessen wird nicht gleich das erste Wasser, das durchgeflossen ist, sondern das, das nach ein paar Sekunden austritt. Mehr dazu, in der Schritt-für-Schritt-Anleitung, weiter unten im Text.
EC Wert Cannabispflanzen Tabelle
Diese Tabelle bietet eine Übersicht über den perfekten EC-Wert in den jeweiligen Cannabis-Wachstumsphasen. Leichte Schwankungen sind übrigens kein Problem.Wachstumsphase optimaler EC-Wert (Erde)
Keimung 0,2–0,4
Jungpflanzen 0,4–0,8
Vegetatives Wachstum 0,8–1,4
Frühe Blüte 1,4–1,6
Hauptblüte 1,6–1,8
Späte Blüte 1,2–1,6
Wie lässt sich der EC-Wert erhöhen?

Ein zu niedriger EC-Wert zeigt an, dass sich zu wenige gelöste Nährstoffe in der Nährlösung befinden. Die Pflanze erhält dann nicht die Menge an Mineralien, die sie für ein aktives Wachstum benötigt. Typische Hinweise auf einen zu niedrigen Wert sind helle, nicht kräftig grüne Blätter, ein verlangsamtes Wachstum und eine insgesamt reduzierte Vitalität.
Damit der EC-Wert kontrolliert und pflanzenschonend angehoben wird, sollte jede Anpassung schrittweise erfolgen:
So wird der EC-Wert schonend erhöht:
- Düngerkonzentration langsam steigern:
Zuerst wird die Nährlösung wie üblich vorbereitet, also Wasser mit der empfohlenen Grunddosis Dünger gemischt. Liegt der EC-Wert danach unter dem Zielbereich, kann die Lösung in kleinen Schritten mit etwas zusätzlichem Dünger ergänzt werden. Nach jeder kleinen Zugabe wird erneut gemessen, bis der empfohlene EC erreicht ist. Auf diese Weise wird die Nährstoffkonzentration kontrolliert angepasst, ohne das Risiko einer Überdüngung. - Wichtig: Jede Zugabe wirkt sich unmittelbar auf den EC-Wert aus und sollte direkt kontrolliert werden.
- Pflanzenreaktionen im Blick behalten: Dunklere Blätter, verhärtetes Laub oder trockene Spitzen können signalisieren, dass die Erhöhung zu schnell oder zu stark ausgefallen ist.
- Nur kleine Anstiege vornehmen: Ein Erhöhen um 0,1 bis maximal 0,2 mS/cm gilt als sicher und gut verträglich. MS/cm steht für Millisiemens pro Zentimeter.
- Das ist die Einheit, mit der der EC-Wert gemessen wird – also die elektrische Leitfähigkeit einer Nährlösung.
Ein vorsichtiges Vorgehen verhindert Überdüngung und sorgt dafür, dass die Pflanze den steigenden Nährstoffgehalt gut verarbeiten kann.
Wie lässt sich der EC-Wert senken?
Ein zu hoher EC-Wert weist auf einen übermäßigen Salzgehalt hin. Das kann durch zu konzentrierte Düngerlösungen entstehen oder wenn die Pflanze zeitweise weniger Wasser aufnimmt. Ein hoher EC erschwert die Wasseraufnahme und kann zu Salzstress führen. Übrigens: Der EC-Wert kann auch ansteigen, wenn das Substrat, also die Erde, sehr trocken ist, weil die Salze beim Trocknen im Boden zurückbleiben und dadurch die Konzentration steigt.
So wird der EC-Wert sicher reduziert:
- Spülen mit klarem Wasser: Die Pflanze wird mit pH-angepasstem Wasser gegossen, bis unten ausreichend Drain austritt. (Das ist das ablaufende Wasser, das im Unterteller aufgefangen wird). Durch das Spülen werden überschüssige Salze aus dem Wurzelbereich entfernt und der EC-Wert im Substrat sinkt wieder auf ein stabiles Niveau.
- EC-Wert des Drains kontrollieren: Der Drain zeigt zuverlässig, ob sich Salzansammlungen gelöst haben und wie stark der EC tatsächlich gesunken ist.
- Düngung erst bei stabilen Werten fortsetzen: Sobald der EC wieder im geeigneten Bereich liegt, kann die Nährstoffzufuhr langsam und kontrolliert aufgebaut werden.
Ein gezieltes Absenken unterstützt die Wurzeln dabei, sich zu erholen und wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu kommen.
How-to-Anleitung: EC-Wert messen, korrigieren und stabil halten
Mit dieser Anleitung kann der EC-Wert für die Pflanzen optimal überprüft, gehalten oder angepasst werden.
1. Das richtige Messgerät auswählen
Für zuverlässige Messwerte wird ein präzises EC- und pH-Messgerät benötigt. Bewährte Modelle sind der Bluelab EC Pen, das Aqua Master Tools E50 Pro, das Adwa AD31 sowie das pH-Messgerät Milwaukee pH600. Beim Kauf sollten automatische Temperaturkompensation (ATC) und eine einfache Kalibrierung berücksichtigt werden. Erhältlich sind diese Geräte im Fachhandel, in Gartencentern und in spezialisierten Online-Growshops.
2. EC-Meter kalibrieren
EC-Messgeräte müssen regelmäßig mit einer Kalibrierlösung überprüft und neu eingestellt werden. Eine korrekte Kalibrierung stellt sicher, dass die Messwerte exakt und verlässlich bleiben.
3. Wasserqualität prüfen
Bevor Dünger zugesetzt wird, sollte zunächst der EC-Wert des Leitungswassers gemessen werden. Die Grundhärte des Wassers beeinflusst die spätere Nährstoffkonzentration und sollte deshalb immer bekannt sein. So kann die Düngermenge besser angepasst werden.
4. Nährlösung ansetzen
Zuerst wird der Behälter mit Wasser gefüllt und anschließend die empfohlene Menge Dünger eingerührt. Ein gründliches Mischen sorgt dafür, dass sich alle Nährstoffe gleichmäßig verteilen. Danach wird der EC-Wert geprüft und bei Bedarf angepasst. Zum Schluss wird der pH-Wert eingestellt, damit die Nährstoffe optimal verfügbar sind.
5. EC-Wert anpassen
EC zu niedrig: Die Nährlösung kann in kleinen Schritten mit etwas Dünger ergänzt werden, bis der empfohlene Zielwert erreicht ist.
EC zu hoch: Die Lösung sollte mit zusätzlichem Wasser verdünnt oder das Substrat im Rahmen einer Spülung entlastet werden.
6. EC-Wert im Substrat kontrollieren
Um zu überprüfen, wie viele Salze sich tatsächlich im Wurzelbereich befinden, wird der EC-Wert des Drains gemessen. Liegt der Drain-EC deutlich über dem Wert der Einlösung, ist von einer übermäßigen Düngung auszugehen.
Bei der EC-Kontrolle wird zuerst der EC-Wert der frisch angerührten Nährlösung gemessen und anschließend der EC des Drains, also des Wassers, das nach dem Gießen aus dem Topf austritt. Durch den Vergleich beider Werte lässt sich erkennen, ob das Substrat bereits Salze angesammelt hat oder die Pflanze die Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis aufnimmt.
EC und pH verstehen: Warum beide Werte zusammenarbeiten müssen

Einer der häufigsten Fehler beim Growen besteht darin, EC und pH getrennt voneinander zu betrachten. Beide Werte sind jedoch eng miteinander verbunden und entscheiden gemeinsam darüber, ob eine Pflanze Nährstoffe aufnehmen kann. Während der EC-Wert zeigt, wie viele Nährstoffe in der Lösung vorhanden sind, bestimmt der pH-Wert, ob diese Nährstoffe überhaupt in einer Form vorliegen, die von den Wurzeln verwertet werden können.
Beim Anbau in Erde liegt der optimale pH-Wert zwischen 6,0 und 7,0. In diesem Bereich bleiben wichtige Elemente wie Stickstoff, Kalzium, Magnesium, Phosphor und Spurenelemente stabil verfügbar. Sinkt der pH dauerhaft unter etwa 5,8, können bestimmte Nährstoffe – besonders Kalzium und Magnesium – trotz ausreichender Menge nicht mehr aufgenommen werden. Steigt der pH über 7,0, werden Spurenelemente wie Eisen oder Mangan blockiert. Das führt zu deutlichen Mangelerscheinungen, obwohl der EC-Wert eigentlich im optimalen Bereich liegt.
Ein falscher pH sorgt außerdem dafür, dass Nährstoffe im Substrat verbleiben, statt von der Pflanze aufgenommen zu werden. Dadurch steigt die Salzkonzentration in der Erde, der EC-Wert nimmt weiter zu und es entsteht ein Kreislauf aus Mangelerscheinungen und Überdüngung gleichzeitig.
Der optimale pH wird im Erdsubstrat selbst von natürlichen Pufferprozessen stabilisiert, weshalb Korrekturen stets vorsichtig vorgenommen werden sollten.
Sowohl der pH-Wert der Nährlösung als auch der pH-Wert des Drainage Wassers kann gemessen werden – die Nährlösung zeigt, mit welchem pH-Wert gegossen wird, während der Drain offenlegt, wie der pH tatsächlich im Wurzelbereich aussieht. Die tägliche Kontrolle betrifft meist die Nährlösung, während die Drain-Messung nur gelegentlich erfolgt, um frühzeitig Ungleichgewichte im Substrat zu erkennen.
Behalte also neben dem EC-Wert auch den pH-Wert im Auge, um deine Pflanzen optimal mit Nährstoffen zu versorgen.
FAQs
Wie oft sollte der EC-Wert gemessen werden?
In der Erde reicht es in der Regel aus, den EC-Wert ein- bis zweimal pro Woche zu kontrollieren, da das Substrat Schwankungen besser abpuffert. In Coco sollte häufiger überprüft werden, idealerweise alle zwei bis drei Tage. In hydroponischen Systemen ist eine tägliche Messung, teilweise sogar zweimal täglich, empfehlenswert, da Änderungen schneller an den Wurzeln ankommen.
Was ist wichtiger: EC oder pH?
Beides ist gleich wichtig, da EC und pH zusammen bestimmen, ob die Pflanze Nährstoffe überhaupt aufnehmen kann. Selbst ein perfekt eingestellter EC-Wert nützt wenig, wenn der pH-Wert außerhalb des optimalen Bereichs liegt und dadurch bestimmte Elemente blockiert werden.
Warum verschlechtert sich das Pflanzenbild manchmal nach einer höheren Düngergabe?
Wenn sich das Erscheinungsbild trotz zusätzlicher Nährstoffe verschlechtert, liegt dies häufig nicht am EC-Wert, sondern am pH-Wert, der die Aufnahme der Nährstoffe blockiert. In solchen Fällen sammeln sich ungenutzte Salze im Substrat an und die Symptome werden verstärkt.
Ist eine pH- und EC-Messung auch bei Living Soil notwendig?
In echtem Living Soil sind regelmäßige pH- und EC-Messungen normalerweise nicht nötig, da das Bodenleben den pH-Wert selbst stabil hält und die Nährstoffe nicht in Form von Salzen vorliegen, die den EC beeinflussen würden. Nur bei Problemen oder sehr hartem Leitungswasser kann eine gelegentliche Kontrolle sinnvoll sein.
Wie misst man den EC-Wert im Drain?
Der EC im Drain wird gemessen, indem man nach dem Gießen kurz Wasser ablaufen lässt, dann etwas Drain auffängt und dieses mit dem EC-Messgerät prüft.
Quellen:
https://www.canna-de.com/articles/die-elektrische-leitfaehigkeit-ec-wert
https://plagron.com/de/hobby/zuchtthemen/was-bedeutet-der-ec-wert-deiner-naehrloesung
https://cannabib.de/ph-messgeraete-alles-was-du-wissen-musst/
https://cannabib.de/der-ph-wert-und-ec-wert-beim-cannabis-anbau/

Mila Grün ist Cannabis-Texterin und Content Creatorin mit einer großen Leidenschaft für die Aufklärung rund um Hanf. Aufgewachsen im ländlichen Bayern, stellte sie früh die gesellschaftlichen Doppelmoral im Umgang mit Cannabis infrage. Heute schreibt sie fundierte Inhalte zu Cannabismedizin, Konsumkultur und rechtlichen Entwicklungen – immer mit dem Ziel, Vorurteile abzubauen und Wissen zugänglich zu machen


